Das Problem ist nicht Coca-Cola: Was der Fußball über Sporternährung noch immer nicht versteht
- 10. Juni
- 2 Min. Lesezeit
In den letzten Monaten wurde mir auf unterschiedliche Weise immer wieder vermittelt, dass Ernährung im Jugend- und Amateurfußball keine Priorität sei.
Manchmal ganz direkt.
„Wir brauchen keine Ernährungsberaterin.“
„Die Kinder essen doch zu Hause.“
„Hier kümmern wir uns um Fußball.“
Jedes Mal überrascht mich diese Aussage.
Vielleicht, weil ich den Fußball nicht nur aus beruflicher Sicht betrachte. Ich erlebe ihn jede Woche auf dem Platz – als Spielerin, Trainerin und Mutter von zwei jungen Fußballspielern.
Wir sprechen ständig über Technik, Taktik, Athletiktraining, Talententwicklung und Verletzungsprävention. Wir investieren Zeit in Trainingsplanung, Ausbildungskonzepte und die Entwicklung junger Spieler.
Doch sobald das Thema Ernährung aufkommt, reduziert sich die Diskussion häufig auf einige wenige Aussagen:
„Keine Coca-Cola.“
„Nicht zu viele Süßigkeiten.“
„Im Internat müssen die Spieler ausreichend versorgt werden.“
Für bestimmte Aspekte mag das richtig sein. Gleichzeitig greift es viel zu kurz.
Ich verbringe viel Zeit auf Fußballplätzen. Ich beobachte Trainingseinheiten, Spiele, Turniere, Auswärtsfahrten, Kabinen und Gespräche zwischen Trainern und Eltern.
Gerade deshalb fällt es mir schwer zu verstehen, warum Ernährung noch immer als etwas betrachtet wird, das von der Leistung getrennt ist.
Nur selten wird Ernährung als Instrument gesehen, um die Trainingsqualität zu verbessern, die Regeneration zu beschleunigen, Wachstum zu unterstützen, Verletzungsrisiken zu reduzieren oder die Energieverfügbarkeit während einer Saison zu optimieren.
Die Diskussion bleibt häufig bei der Unterscheidung zwischen „guten“ und „schlechten“ Lebensmitteln stehen.
In leistungsorientierten Umfeldern sieht die Realität anders aus. Im Barça Innovation Hub wird Ernährung als wesentlicher Bestandteil von Leistung, Regeneration und Verfügbarkeit der Athleten beschrieben. Verletzungsprävention und Erholung werden dabei eng mit einer individuell angepassten Ernährungsstrategie verknüpft, die Trainingsbelastung, persönliche Voraussetzungen und sportliche Ziele berücksichtigt.
Mit anderen Worten: Ernährung wird dort nicht als vom Fußball getrenntes Thema betrachtet, sondern als integraler Bestandteil der Spielerentwicklung und Leistungsfähigkeit.
Diese Sichtweise deckt sich auch mit dem Konsenspapier des Internationalen Olympischen Komitees zur Ernährung junger Athleten. Darin wird betont, dass Ernährung nicht nur der allgemeinen Gesundheit dient, sondern eine zentrale Voraussetzung für Wachstum, Entwicklung, Trainingsanpassung, Regeneration und sportliche Leistung darstellt.
In den vergangenen Jahren ist zudem das Bewusstsein für Relative Energy Deficiency in Sport (REDs) gestiegen. Dabei handelt es sich um einen Zustand, bei dem die Energiezufuhr nicht ausreicht, um Training, Wachstum und normale Körperfunktionen gleichzeitig zu unterstützen. Obwohl REDs häufig mit Ausdauersportarten oder weiblichen Athleten in Verbindung gebracht wird, spielt eine geringe Energieverfügbarkeit auch im Jugendfußball eine wichtige Rolle – insbesondere in Wachstumsphasen, bei hohen Trainingsumfängen oder dichtem Spielplan.
Das Problem ist dabei nicht das gelegentliche süße Getränk oder eine Süßigkeit.
Das eigentliche Problem ist das Fehlen einer Ernährungsstrategie, die Training und Regeneration angemessen unterstützt.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Ernährung im Fußball wichtig ist.
Die entscheidende Frage lautet, wie wir Ernährung gezielt nutzen können, damit junge Athleten besser trainieren, besser regenerieren und ihr Potenzial vollständig entfalten können.

Kommentare